Nicht nur das Nähen ist Teil meiner Geschichte. Mehrere Kapitel schreiben sich parallel. Und ich bin nicht unkreativ, nur weil ich gerade nicht viel nähe. Das muss ich mir selbst hin und wieder klar machen.

So sah gestern Abend meine Nähmaschine aus. Einerseits habe ich sie gerne ohne Abdeckung auf meinem Tisch stehen, denn dann ist sie mit einem Handgriff um neunzig Grad gedreht und einsatzbereit. Theoretisch kann ich dann sehr schnell ins Nähen kommen. Und das will ich eigentlich. Andererseits ist sie so offen auf meinem Tisch, in meiner kleinen Wohnung der ständigen Gefahr ausgesetzt, zur Zwischenablage diverser Dinge zu werden, die eigentlich woanders hin gehören. Das ist dann natürlich kontraproduktiv.1
Spätestens wenn sich eine kleine Staubschicht auf das Metall der Maschine gelegt hat, steigt in mir ein schlechtes Gewissen auf, dass ich schon zu lange nicht mehr genäht habe. Spät am gestrigen Abend habe ich dann einen kleinen Durchbruch gehabt, habe mir einen Stoff geschnappt und kurzerhand angefangen zu schneiden und zu nähen. Und jetzt, da ich wieder nähe, da ich gestern Nacht nicht getanzt sondern geschlafen habe, nehme ich mir am Sonntagvormittag die Zeit, um wieder etwas zu schreiben. Was passiert denn noch so in meinem Leben?

Das Nähen und Le Ingobernabili dell’Amore sind nur ein offenes Kapitel. Denn ich schreibe nicht nur auf diesem Blog. Seit meiner Marokko-Reise vor fast zwei Jahren schreibe ich gleich mehrere Tagebücher, zu verschiedenen Themen. Eines davon ist nun beinahe voll. Ich habe in diesem Frühjahr außerdem angefangen, selbst an einem Theaterstück zu schreiben. Das ging bisher in mehreren Schüben voran. Meinen ursprünglichen Plan, es bis zum Ende der Sommerferien zu einer ersten, fertigen Version zu schaffen, konnte ich leider nicht einhalten.
Aber es ist so wie bei einigen anderen Projekten auch: Ich bin schon ganz schön tief drin. Zu tief, als dass ich es jetzt noch aufgeben könnte. Es macht außerdem wirklich Spaß und fühlt sich ein bisschen so an, als wäre ich zurück in der Wissenschaft. Es mag sich etwas verrückt anhören: In dem Stück geht es um Nazis, um die Kirche, um Verbrechen und Schuld, Flucht und Barmherzigkeit, Rache und Vergebung, und Vampire. Es ist außerdem fest in der Geschichte verankert und alleine diese paar Zeilen darüber zu verfassen, bringt mich wieder in Stimmung weiter zu forschen und die vielen Fäden und Bilder in meinem Kopf zu einem Stück zusammenzuführen.2

Ein weiteres Kapitel ist das Theaterstück, bei dem ich im kommenden Februar mitspielen werde. Dafür bin ich wöchentlich einmal bei der Probe und ich habe in der vergangenen Woche mal ernsthaft angefangen meinen Text zu lernen. Es ist ein wirklich text-intensives Stück.3 Eine Herausforderung, bei der ich feststelle: Es macht richtig viel Spaß, einen guten Text zu lernen. Es kommt zwar noch viel Arbeit auf uns zu, aber ich bin gerade sehr froh, dass ich mich im Sommer dieser Gruppe angeschlossen habe. Aus einer guten Theaterprobe gehe ich mit mehr Energie heraus als ich vorher mitgebracht habe.
Dass Theater belebend ist, weiß ich seit es meine einzig wirkliche, langfristige Konstante im Alltag, das Theaterlabor „Flips“, gibt. Also seit circa vier Jahren. Noch länger zurück reicht die Zeit, in der ich selbst Musik mache. Auch diese Geschichte schreibt sich fort, wenn auch langsam. Ich schreibe gerade keine neuen Lieder. Momentan experimentiere ich hauptsächlich mit zwei elektronischen Musikmachern, mit denen bei jedem Versuch etwas Neues entsteht. Wo dieser Faden eines Tages hinführt, ist noch nicht abzusehen, aber auch er gibt mir Energie, selbst wenn es nur fünfzehn Minuten am Tag sind, in denen etwas Musikalisches entsteht.

Ich glaube, es gibt einen Grund dafür, dass ich das Alles hier mal festhalte. Nicht nur, weil ich mal wieder irgendwas auf meinem Blog schreiben will. Sondern weil das Schreiben die Dinge, die Fäden, die Kapitel, manifestieren kann. Manifestieren heißt laut Duden „sich als etwas Bestimmtes offenbaren, sich zu erkennen geben, sichtbar werden“. Und genau das vergesse ich ja manchmal: Dass ich bin, was ich tue. Dass ich mich nicht länger verstecken wollte. Ich hoffe, dass ich im Laufe der Zeit alle, oder zumindest viele dieser Fäden zusammenführen und miteinander verweben kann. Ich hoffe, dass daraus meine Geschichte wird.
- Ganz ähnlich ergeht es regelmäßig auch meinem E-Piano. ↩︎
- Meine nächste Reise nach Italien wird dem Fundus in meinem Gehirn noch einige Bilder hinzufügen. ↩︎
- Welches genau, verrate ich hier noch nicht. ↩︎
- Und sonst so?
Wenn das Nähen mal brach liegt, geht die Geschichte an anderer Stelle weiter. - Carlota II. – manchmal vergesse ich…
Hier zeige ich eines meiner liebsten Oberteile. Und melde mich zurück mit einer kleinen, ehrlichen Schreibübung. - Renata III. – meine erste Spendenaktion
Ein Mantel in den Farben Kurdistans, Rojavas und der Jesiden. Dies ist meine erste Spendenaktion. - Doppio IV. – über Kunst und Gewerbe
Mein bisher wertvollstes Stück liefert die besten Antworten auf bedeutende Fragen. - Stoffwechsel – leider ohne viele Wechsel
Die durchwachsene Erfahrung meines ersten Marktstandes wirft neue (alte) Fragen auf. - Tawwus II. – und einige Neuigkeiten
Große Neuigkeiten: Ich mache einen Marktstand. Ich habe einen neuen Job. Und natürlich gibt es neue Klamotten!
Hinterlasse einen Kommentar