Eine Aufarbeitung meiner ersten Erfahrung mit einem eigenen Marktstand. Finanziell zwar ein Reinfall, aber ich bin trotzdem ein bisschen stolz.

Es ist nun schon drei Wochen her, dass ich beim Stoffwechsel 3.0 in der Eisengießerei im Leipziger Westwerk zum ersten Mal versucht habe, meine selbst genähten Kleidungsstücke zu verkaufen. Ich hatte jetzt also schon ein wenig Zeit, das Erlebnis und Ergebnis zu reflektieren und über die nächsten Schritte nachzudenken. Insgesamt will ich festhalten: Ich bin glücklich darüber, dabei gewesen zu sein. Ich bin auch ein bisschen stolz. Dennoch habe ich Zweifel, ob diese Art von Vertrieb der richtige Weg für mich ist. Das hat mehrere Gründe.
Zunächst mal die Fakten: Die Standgebühr und zwei mal Carsharing für den Transport haben Kosten von knapp über 100 Euro verursacht. Dazu habe ich zwischen 80 und 100 Euro in Kleiderstangen und Visitenkarten investiert, welche ich immerhin noch weiter verwenden kann. Auf der Einnahmenseite stehen ganze 15 Euro für ein verkauftes Vintage-Teil. Von meinen selbst genähten Stücken habe ich kein einziges verkauft. Dabei hatte ich visuell einen durchaus ansprechenden Stand.

Ich habe dazu folgende Gedanken: Meine Teile sind möglicherweise zu speziell, zu ausgefallen. Sie sind nicht unbedingt alltagstauglich. Ich habe zudem insgesamt wenig Teile. Da ist die Chance natürlich gering, dass etwas verkauft wird. Es ist vielleicht auch generell kaum jemand bereit, 50, 60, oder 75 Euro für handgefertigte Einzelstücke auszugeben, auch wenn ein solcher Preis im Vergleich nicht überhöht ist. Ich hatte den Eindruck, dass auch andere Händler wenig Umsatz gemacht haben. Die Menschen schauen gerne schöne Dinge an. Ich selbst hätte mich aber wohl auch schwer getan mit einem Kauf.
Dabei geht es mir gar nicht so sehr um Gewinn. Ich habe ja noch gar nicht die 16 bis 18 Stunden Zeit dazugerechnet, die ich Samstag und Sonntag insgesamt investiert habe. Dann wäre das Minus noch größer. Es wäre einfach schön, wenn sich meine Kreationen langsam in der Welt verbreiten würden. Nicht alle von ihnen werde ich selbst einmal tragen. Meine Gefühle – auch drei Wochen nach dem Markt – sind also gemischt. Ich habe Lob erhalten, dass ich einzigartige Stücke habe und dass mein Stand besonders ist. Ich habe mich auch selbst in den Wochen davor gepusht, noch das eine oder andere Teil herzustellen.

Und dennoch: Ich halte es für wenig wahrscheinlich, dass meine Kreativität auf so eine Art von Marktstand hinausläuft. Ich bin anschließend auch in ein kleines Loch gefallen: Ich habe seit dem Stand nichts genäht. Ich habe drei Wochen gebraucht, um diesen Text zu schreiben. Sollte mich so eine Erfahrung nicht eher motivieren? Ja, ich war auch stolz, meine Sachen ausgebreitet vor mir liegen zu sehen. Ich habe Erkenntnisse gesammelt, konnte beobachten, was sich die Leute auch mal etwas länger anschauen oder über was sie einfach hinwegsehen. Darauf könnte ich doch aufbauen.
Aber ich erkenne da auch ein Muster bei mir: Nach einem Highlight oder einem Meilenstein, widme ich mich oft schnell anderen Dingen zu, anstatt einfach dran zu bleiben. Darauf gehe ich jetzt nicht weiter ein. Ich stelle mir aber (nicht zum ersten Mal) mehrere Fragen, die ich für mich beantworten sollte: Für wen stelle ich meine Kleidungsstücke her? Will ich Produkte auf den Markt bringen? Will ich Kunst erschaffen? Ich werde sicher weiter machen. Aber vielleicht auch wieder ein wenig mehr für ich selbst.

Leider hat mich auch niemand auf diesen grün-rot-goldenen Mantel angesprochen, den ich noch in den letzten zwei Wochen vor dem Markt genäht habe. Angesichts der schönen Farben wollte ich den Erlös für dieses Teil an Heyva Sor a Kurdistanê e.V., den Kurdischen Roten Halbmond, spenden. Den Mantel werde ich auf meinem Blog demnächst ausführlich vorstellen und die Aktion läuft natürlich nach wie vor!
Ich habe in den letzten Tagen viel darüber nachgedacht, was ich als nächstes genau mache. Ich habe ein neues Instrument gekauft. Ich spiele gerade wieder Theater, aber das ist nächste Woche auch wieder vorerst vorbei. Jetzt, nachdem ich mir diesen Text von der Seele geschrieben habe, fühle ich mich schon wieder fast bereit etwas Neues zu nähen. Ganz frei, ohne Druck, mal wieder ein Stück, das ich selbst unbedingt tragen möchte.
- Stoffwechsel (leider ohne viele Wechsel)
Die durchwachsene Erfahrung meines ersten Marktstandes wirft neue (alte) Fragen auf. - Tawwus II. (und einige Neuigkeiten)
Große Neuigkeiten: Ich mache einen Marktstand. Ich habe einen neuen Job. Und natürlich gibt es neue Klamotten! - Doppio II. (eine Analyse nach zwei Jahren)
Eine schonungslose und lehrreiche Analyse meines ersten Näh- und Pflegeversuchs mit meinem Lieblingsmaterial. - Cuma I.
Eines meiner absoluten Lieblingsteile: Cuma I., ein grün-gelbes, kuschelig-weiches Upcycling-Stück. - Baran I.
Sind das Rosenblätter, die da regnen? Hier ist Baran I., ein feines und leichtes Therapie-Teil. - Das Label II.
Ich widme mich (mal wieder) meinem Italienisch. Und zum Jahreswechsel ziehe ich eine kleine Zwischenbilanz.