Ich habe mich lange darauf gefreut einen Text über Cuma I. zu schreiben, denn es ist eine meiner absoluten Lieblingskreationen, eines der ersten von mir genähten Stücke, mit dem ich selbst richtig zufrieden war.

Zu diesem Teil, dem ersten echten Cuma, gehört mal wieder eine İstanbul-Geschichte. Sie stammt von meiner ersten Reise an den Bosporus, über die Weihnachtszeit 2023. Zu dieser Zeit habe ich noch nicht wirklich ambitioniert genäht, aber ich hatte eine leise Idee, dass ich in der Türkei möglicherweise schöne Stoffe finden würde. Noch bevor ich in Ankara meinen ersten wertvollen Kutnu entdeckte,1 fand ich in einem winzigen Trödelladen in İstanbul diese grün-gelbe Schönheit mit eingearbeiteten Glitzerstreifen.

Dieser Stoff stammt nicht vom bekannten Kapalı Çarşı, dem Großen Bazaar, sondern aus dem Stadtteil Beyoğlu, genauer gesagt aus der Çukur Cuma Caddesi. Das als Çukurcuma (auf deutsch „Freitagssenke“)2 bekannte Viertel ist bekannt für Antiquitätengeschäfte und Cafés im europäischen Stil. Ich habe aber insbesondere die Çukur Cuma Caddesi sowohl 2023 als auch 2025 als sehr angenehm und nicht von Menschenmassen überlaufen empfunden. Dieser Trödelladen – er muss wohl einen der kleinsten in ganz İstanbul sein – bestand im Grunde nur aus dem Neben- oder Kellereingang eines gewöhnlichen Hauses, mit jeweils ein paar Stufen nach oben und nach unten.

Für mehr als einen Kunden war in diesem winzigen Laden definitiv kein Platz. Die Inhaberin war eine ältere Dame, die kein Englisch sprach. Ich fand diesen und einen weiteren Stoff mit ähnlichem Muster in einem der Regale, doch ich konnte mich zunächst nicht zu einem Kauf durchringen. Würde ich wirklich Kleidungsstücke daraus nähen? Kleidungsstücke, die auch gut werden? Sind die Stoffe dafür überhaupt groß genug? Habe ich genug Platz in meinem Gepäck? Wohlgemerkt: Zu dieser Zeit galt mein Shopping-Interesse noch eher fertigen Kleidungsstücken. Unschlüssig ließ ich die Stoffe vorerst liegen, um darüber zu schlafen.

Doch mit den Gedanken blieb ich an ihnen hängen. Ich begab mich also noch einmal auf den Weg nach Çukurcuma. Doch ich konnte den Laden nicht finden. Nichts deutete darauf hin, dass diese Trödelhändlerin hier, in dieser Straße, ihr kleines Geschäft hatte. Ich begann an mir zu zweifeln. Den Straßennamen hatte ich mir doch extra gemerkt, für den Fall, dass ich die Stoffe doch haben wollte. Auch Google Maps half mir nicht weiter. Dieser Laden schien nicht mehr zu existieren.

Ich musste in den folgenden Tagen noch zwei weitere Male in die Çukur Cuma Caddesi zurückkehren. Die Dame hat wohl sehr unregelmäßige Öffnungszeiten und wenn ihr Laden nicht offen hat, ist er wirklich unsichtbar. Nichts deutet auf ihn hin, kein Schild, kein Schaufenster. An seiner Stelle ist sonst einfach eine unscheinbare, vergitterte Tür. Und als ich erleichtert feststellte, dass ich mich nicht getäuscht hatte, musste ich die beiden Stoffe natürlich mitnehmen. Einen, den grün-goldenen, habe ich zu Cuma I. verarbeitet. Den zweiten, der eine petrol-goldene Farbkombination hat, liegt noch in seiner Originalgröße in meinem Regal.

Es handelt sich einem Aufkleber zufolge wohl um große Schals, oder möglicherweise Kopftücher. Die genaue Herkunft sowie das Material konnte ich nicht mit letzter Sicherheit recherchieren.3 Der Stoff brennt wie Baumwolle, angesichts der Glitzerelemente würde ich aber nicht ausschließen, dass es auch einen kleinen synthetischen Anteil gibt. Allerdings steht auf dem Aufkleber „100% pure“. Es ist ein eher dicker, etwas schwerer Stoff, allerdings nicht steif, sondern schön weich. Cuma I. ist ein echtes Upcycling-Teil und definitiv eines meiner persönlichen Lieblingsstücke, gerade weil es eine meiner ersten Kreationen war, mit der ich selbst richtig glücklich und zufrieden war.4

Eine wirkliche Besonderheit ist der Halsausschnitt, der sehr breit ist und im Nacken relativ weit nach unten reicht. Außerdem verlaufen zwei dünne Träger in etwa auf Höhe der Schlüsselbeine, womit das Stück nicht nur schöner auf den Schultern liegt, sondern auch besser auf einem Kleiderbügel hängt. Cuma I., benannt nach der Straße, in der ich diesen schönen Stoff gefunden habe, war zudem ein großer Schritt hin zur Umsetzung meiner Vision von weiten, (nahezu) bauchfreien Oberteilen mit langen Ärmeln, wie ich sie bereits mehrfach genäht habe.
Fakten zu Cuma I.
- Material: wahrscheinlich Baumwolle
- Schulterweite: 55 cm
- Länge: 52 cm
- fertiggestellt am 4.2.2025

Zitate über Cuma I. aus meinem Nähtagebuch
Zur Wahrheit des Nähens gehört auch, dass es durchaus anstrengen kann. Ich merke auf jeden Fall meinen Rücken. Dabei habe ich auch Yoga gemacht. (3.2.2025)
Wenn ich heute früher als 12 Uhr mittags angefangen hätte, dann wäre ich mit dem Stück auch locker fertig geworden. Also ein Stück pro Tag ist schon realistisch, wenn ich noch etwas routinierter werde und einen guten Plan habe. (3.2.2025)
Überhaupt: Diese Nadel ist der Hammer. Mir ist kein Faden gerissen. Das ganze Projekt war super smooth von meiner Maschine. Als würde sie sich richtig darüber freuen, dass sie nun wieder benutzt wird. (4.2.2025)
Das Teil ist richtig cool geworden. Ich bin super glücklich damit. (4.2.2025)

- Siehe dazu die Beiträge über meine zweite Reise nach Istanbul, hier (davor) und hier (danach). ↩︎
- Mehmed II., Eroberer von Konstantinopel im Jahr 1453, hat an dieser Stelle angeblich ein Freitagsgebet abhalten lassen. Daher der Name. ↩︎
- Bajaj Shawls scheint eine indische Textilmarke zu sein. ↩︎
- Siehe dazu die Zitate aus meinem Nähtagebuch. Scheinbar besserten sich in dieser Zeit auch meine Fähigkeiten an der Nähmaschine. ↩︎
- Doppio II. (eine Analyse nach zwei Jahren)
Eine schonungslose und lehrreiche Analyse meines ersten Näh- und Pflegeversuchs mit meinem Lieblingsmaterial. - Cuma I.
Eines meiner absoluten Lieblingsteile: Cuma I., ein grün-gelbes, kuschelig-weiches Upcycling-Stück. - Baran I.
Sind das Rosenblätter, die da regnen? Hier ist Baran I., ein feines und leichtes Therapie-Teil. - Das Label II.
Ich widme mich (mal wieder) meinem Italienisch. Und zum Jahreswechsel ziehe ich eine kleine Zwischenbilanz. - Renata II.
Renata II. ist aus hyper-blauer Agavenseide gefertigt. Ach, und ich beginne über Sinn und Zweck meiner Kreationen nachzudenken. - Doppio I.
Links wie rechts, vorne wie hinten. Doppio I. ist wie geschaffen für einen doppelten Espresso in der italienischen Sonne.