An diesem Oberteil kommt kein Sonnenstrahl vorbei. Mit Doppio I. fehlt zum Sommerglück im Winter nur noch der doppelte Espresso.

Nachdem ich in meinem letzten Beitrag mal das neueste von mir genähte Stück vorgestellt habe, präsentiere ich hier als Kontrast dazu mit Doppio I. eine meiner frühesten Kreationen – zumindest eine der ersten, mit der ich richtig zufrieden war. Es ist nämlich immerhin das dritte Oberteil, das ich aus diesem blau-gelben Stoff genäht habe. Das Ziel war, einen eigenen Schnitt zu entwickeln, den ich dann an einem meiner wertvollen, aus der Türkei mitgebrachten Stoff wiederholen würde.1

Dieser Stoff war also eigentlich nur zum Ausprobieren gedacht. Dabei ist er an und für sich wirklich schön. Ein leuchtendes Blumenmuster, das einem Vintage- oder vielleicht auch Ukraine-Vibes vermittelt. Ich habe ihn bei einem second-hand Lagerverkauf in Leipzig gefunden. Der Test mit dem Feuerzeug legt nahe, dass es sich um Baumwolle handelt.2 Die Oberfläche hat eine gut sichtbare Textur. Sie sieht fast körnig aus, ist aber keineswegs unangenehm. Der Stoff fällt sehr leicht, ist sehr flexibel, aber nicht dehnbar.


Was hat es also mit einem Doppio auf sich? Wie man auf den Bildern sieht, sind sowohl Vorder- als auch Rückenteil aus jeweils zwei gespiegelten Einzelteilen zusammengesetzt. Es ist also eine Doppelung im doppelten Sinne: links-rechts und vorne-hinten. Der ursprüngliche Grund dafür war, dass ich mir zu Beginn meiner Nähprojekte zwei Stoffrollen mit jeweils ca. 12 Metern echter, alter Kimonoseide angeschafft hatte. Eines meiner ersten erfolgreichen Projekte war auch tatsächlich ein Kimono. Aber dabei sollte es natürlich nicht bleiben. Da die Rollen aber eine Breite von nur 38 cm haben, musste ich mir entsprechende Schnitte überlegen.

Nach den ersten zwei Versuchen kam also der Doppio-Grundschnitt zustande, der das Blumenmuster vorne und hinten auffallend unterbricht. Tatsächlich finde ich diesen Schnitt subtil elegant. Unterhalb der Ärmel wird das Oberteil ein bisschen schmaler, denn die Naht verläuft in Richtung Saum in einem leicht konkaven Bogen. Dazu fallen die Enden der Ärmel nicht waagerecht, sondern fast in einem 45-Grad-Winkel nach innen. Ich muss mir nochmal genau anschauen, wie ich das hinbekommen habe.

Bezüglich der Gesamtgröße ist Doppio I. nicht ganz so ausladend und oversize wie meine Cuma-Oberteile. Und es hat natürlich keine langen Ärmel. Es ist gerade Dezember, der dunkelste Monat des Jahres. Erst in einem halben Jahr kann man wohl wieder im T-Shirt auf die Straße gehen. Zwar helfen bunte Farben und Blumenmuster gegen den Winter-Blues. Aber mit Doppio I. muss man eigentlich in einem italienischen Straßencafé sitzen und einen doppelten Espresso schlürfen.
Fakten zu Doppio I.
- Material: vermutlich Baumwolle in vintage Qualität
- Schulterweite: 44 cm
- Länge: 49 cm
- fertiggestellt im Frühjahr 2024

- Siehe zu diesem wertvollen Stoff meine beiden Beiträge über Kutnu, hier und hier. ↩︎
- Der Stoff brennt mit einer ruhigen, gelben Flamme, fast wie Papier. Es bilden sich keine Bläschen und es bleibt eine feine, staubige Asche zurück. ↩︎
- Doppio II. (eine Analyse nach zwei Jahren)
Eine schonungslose und lehrreiche Analyse meines ersten Näh- und Pflegeversuchs mit meinem Lieblingsmaterial. - Cuma I.
Eines meiner absoluten Lieblingsteile: Cuma I., ein grün-gelbes, kuschelig-weiches Upcycling-Stück. - Baran I.
Sind das Rosenblätter, die da regnen? Hier ist Baran I., ein feines und leichtes Therapie-Teil. - Das Label II.
Ich widme mich (mal wieder) meinem Italienisch. Und zum Jahreswechsel ziehe ich eine kleine Zwischenbilanz. - Renata II.
Renata II. ist aus hyper-blauer Agavenseide gefertigt. Ach, und ich beginne über Sinn und Zweck meiner Kreationen nachzudenken. - Doppio I.
Links wie rechts, vorne wie hinten. Doppio I. ist wie geschaffen für einen doppelten Espresso in der italienischen Sonne.