von hand genähte Einzelstücke

Cuma IV.

Feurige Verästelungen zieren die vierte Vertreterin meiner langärmeligen Crop-Tops. Das dicke Material und das doppelte Innenleben machen dieses Oberteil schon fast zu einem Sweater.

Hier präsentiere ich mit Cuma IV. mal das aktuellste Stück von mir. Ich habe es am 25.11.2025 fertig gestellt, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Ich habe kurz selbst bei der Demo in Leipzig vorbeigeschaut, bevor ich diesem Oberteil den letzten Feinschliff gegeben habe. Ich will in diese zeitliche Nähe nicht künstlich irgendetwas hinein interpretieren. Fast jeden Tag stirbt in Deutschland eine Frau durch ein Tötungsdelikt, meistens begangen von Partnern oder Ex-Partnern.1 Das ist ein riesiges Problem, auf das man eigentlich jeden Tag aufmerksam machen sollte.

Nun zurück zu Cuma IV. Wer meinen Post über Cuma III. gelesen hat, weiß, dass es sich bei dieser Reihe um bauchfreie, langärmelige Oberteile handelt. Wobei „bauchfrei“ relativ ist, denn auch diese Version von Cuma reicht meiner Schaufensterpuppe nur so gerade bis über den Bauchnabel, wo auch schon der Rock anfängt. Mit einer low-waist Jeans würde sich aber sicher eine kleine Lücke ergeben. Wie bei Cuma III. entspricht die Länge vom Hals bis zum Saum (54 cm) in etwa der Schulterweite (53 cm).

Auch Cuma IV. hat Fledermausärmel bekommen. Das heißt: Der Ärmel beginnt sehr tief unter den Achseln, ist also an der Schulter sehr weit, und läuft dann zur Hand hin spitz zu. Der Ärmel beginnt hier nur 11 cm über dem unteren Saum und hat erst eine Höhe von 35 cm. Am Handgelenk beträgt sie nur noch 16 cm. Zudem ist der Ärmel nicht besonders lang. An meiner Puppe endet er schon ein paar Zentimeter über dem Handgelenk.

Ich habe hier mit einem Material gearbeitet, das ich vorher nicht kannte. Ein Mischgewebe aus Polyethylen (77%), Viskose (17%) und Elastan (6%). Es ist also dehnbar und besteht zum größten Teil aus synthetischen Fasern, also Plastik. Meine Recherche hat ergeben, dass so ein Stoff zum Beispiel als Bezug von Polsterungen oder im Outdoor-Bereich Verwendung findet. Das spricht auf jeden Fall für seine Robustheit. Außen wie Innen fühlt sich die Oberfläche sehr glatt und ausgesprochen weich an. Sonst hätte ich diesen Stoffrest auch sicher nicht gekauft.

Und dennoch: Bei all dem Plastik hatte ich den Impuls eine Art Innenfutter einzusetzen. Dafür habe ich einen schwarzen Stoffrest verwendet, dessen Material ich durch Verbrennen ziemlich sicher als eine Zellulose-Faser bestimmt habe.2 Es handelt sich wahrscheinlich um Viskose. Es ist übrigens der gleiche Stoff, aus dem auch der Rock genäht ist, den meine Schaufensterpuppe in der Regel trägt. Dieses Futter befindet sich vorne und hinten und reicht jeweils vom Hals bis auf die Brust (ca. 22 cm).

Ich war mit dem Nähprozess von Cuma IV. überaus zufrieden. Vom ersten Zuschnitt bis zur letzten Naht sind weniger als 24 Stunden vergangen, in denen mir zudem nicht ein Faden gerissen ist. Obwohl ich insbesondere mit dem Innenfutter teilweise richtig fette Stofflagen zu nähen hatte, sind mir überall französische Nähte gelungen.3 Das fertige Oberteil fühlt sich dank des dichten, aber dehnbaren Stoffes fast wie ein Sweater an. Nun weilt es in meiner Sammlung und wartet darauf das Feuer für einen gesellschaftlichen Wandel in die Welt zu tragen.

Fakten zu Cuma IV.

  • Materialien: Polyethylen, Viskose, Elastan
  • Schulterweite: 53 cm
  • Länge: 54 cm
  • fertiggestellt am 25.11.2025, International Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen4
  1. https://correctiv.org/aktuelles/gesellschaft-2/2025/11/25/femizide-ist-deutschland-gegen-geschlechtsspezifische-gewalt-auf-dem-richtigen-weg/ (letzter Zugriff 2.12.2025) ↩︎
  2. Der Stoff brennt mit gelber Flamme und es bilden sich kleine Bläschen. Der Rückstand ist ein schwarzer Klumpen, der leicht zerbröselt, keine Kügelchen. ↩︎
  3. Französische Nähte sind bis auf Ausnahmefälle der Standard bei Le Ingobernabili dell’Amore. ↩︎
  4. https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/300890/internationaler-tag-zur-beseitigung-von-gewalt-gegen-frauen/ (letzter Zugriff 2.12.2025) ↩︎
  • Renata II.
    Renata II. ist aus hyper-blauer Agavenseide gefertigt. Ach, und ich beginne über Sinn und Zweck meiner Kreationen nachzudenken.
  • Doppio I.
    Links wie rechts, vorne wie hinten. Doppio I. ist wie geschaffen für einen doppelten Espresso in der italienischen Sonne.
  • Cuma IV.
    Mit Cuma IV. kann man das Feuer in die Welt tragen. Dazu hat dieser Beinahe-Sweater ein Beinahe-Innenfutter.
  • Renata I.
    Früher Wandteppich, heute wiedergeboren, um unbemerkt die linke Hand zur Faust ballen. Das ist der Mantel Renata I.
  • Das Tagebuch
    Niemand schreibt deine Geschichte für dich auf: Deswegen muss man Tagebuch schreiben. In diesem geht es nur ums Nähen.
  • Cuma III.
    Ein bauchfreies Oberteil mit langen Fledermausärmeln. Außen leuchtet Agavenseide, innen streichelt einen die Kimonoseide. Das ist Cuma III.