Ein knallbuntes Oberteil, außen robust, innen zart. Ein Ergebnis meiner kühnsten Vision, kombiniert mit dem, was ich an einigen meiner Mäntel so liebe: Fledermausärmel.

Cuma, die Dritte? Ja, das ist richtig. Ich sehe keinen Grund, hier streng chronologisch vorzugehen. Dies ist also das dritte Oberteil, das ich ausgehend von einer selbst gemachten Schnittvorlage geschneidert habe, die ich Cuma nenne. Was macht dieses Stück besonders? Die erste auffällige Eigenschaft von Cuma III. ist natürlich dieser leuchtende Stoff – ein ganz besonderes Material, das leicht und angenehm weich ist, aber eher grob gewebt doch einen robusten Eindruck macht. Ich habe diesen Stoff in Marokko gefunden, wo er mir als Agavenseide verkauft wurde.


Dem Namen nach wird Agavenseide aus Agavenpflanzen hergestellt und ist damit eine pflanzliche Faser. In englischer Sprache ist dieses Material wohl auch als sabra silk oder cactus silk bekannt. Online finden sich eher spärlich Informationen zu diesem Material und meistens stammen sie von Seiten, die auch etwas verkaufen wollen. Da wird es einerseits als echte, nachhaltige marokkanische Handwerkskunst angepriesen.1 Andererseits – ich habe allerdings nur einen solchen Artikel gefunden – wird Agavenseide als ein riesiger Betrug dargestellt. Tatsächlich handele es sich um Rayon, also Viskose.2

Welche Geschichte soll man glauben? Ich kann mir nur dessen sicher sein, was ich selbst gesehen habe. Diesen und einen weiteren Stoff habe ich in Marokko gekauft. Ich habe gesehen, wie in der Medina der Stadt Fes, in einem der Geschäfte Männer an Webstühlen saßen und eben diese Stoffbahnen hergestellt haben. Und mir ist dieser Stoff seither nicht wieder begegnet, auch nicht in den Stoffläden İstanbuls. Ich werde wohl an anderer Stelle nochmal tiefer auf dieses Thema eingehen. Hier soll es ja um das von mir geschneiderte Oberteil gehen. Also, was kann ich über den Schnitt von Cuma III. sagen?


Eingangs habe ich geschrieben, dass ich hier meine kühnste Vision mit den von mir geliebten Fledermausärmeln kombiniert habe. Das stimmt insofern, als dass ich einst in meinem Nähtagebuch „das bauchfreie Oberteil mit langen Ärmeln“ als das von mir erträumte Signature-Teil von Le Ingobernabili dell’Amore bezeichnet habe. Es gibt schon eine Reihe solcher Oberteile und seit kurzen nenne ich sie Cuma.3 Allerdings ist Cuma III. an meiner Schaufensterpuppe mit dem schwarzen Rock nicht so ganz bauchfrei. Die Fledermausärmel sind auch nicht die extremsten, die man sich vorstellen kann. Sie werden zwar schmaler, sind an den Handgelenken aber immer noch relativ weit.

Erst für das Schreiben dieses Artikels habe ich Cuma III. mal ausgemessen und festgestellt, dass der Oberkörper beinahe quadratisch ist. Von Schulter zu Schulter sind es 47 cm, vom Hals bis zum unteren Saum 48 cm. Auffällig ist darüber hinaus, dass ich den Stoff für die Vorderseite um 45 Grad gedreht habe. Die Streifen laufen damit spitz nach unten zu, während sie auf dem Rücken gerade nach unten verlaufen.

Eine letzte, aber wirkliche Besonderheit von Cuma III. ist, dass ich hier erstmals versucht habe, ein Oberteil mit Innenfutter zu schneidern. Eine Motivation dafür war, dass eine einzige Stofflage Agavenseide leicht durchsichtig ist. Außerdem entnehme ich meinem Nähtagebuch, dass der ursprüngliche Plan war, eine Jacke zu schneidern. Für mehr Komfort und Gewicht habe ich also eine Lage gelb-rote Kimonoseide – wirklich echte vintage Seide – eingenäht. Die fühlt sich natürlich sehr angenehm auf der Haut an. Das Futter befindet sich allerdings nur am Oberkörper, nicht in den Ärmeln. Damit hält dieses außergewöhnliche Oberteil sogar schön warm.
Fakten zu Cuma III.
- Stoff: Agavenseide, Kimonoseide
- Schulterweite: 47 cm
- Länge: 48 cm
- hergestellt im Februar 2025
- Siehe z.B. https://yazmag.ma/craftmanship/sabra-silk-a-sustainable-moroccan-fabric/ (letzter Zugriff 19.11.2025) ↩︎
- Siehe https://helloanou.wordpress.com/2018/03/05/the-truth-about-moroccan-sabra-everything-you-ever-wanted-to-know-about-the-mythical-cactus-silk-agave-fiber/ (letzter Zugriff 19.11.2025) ↩︎
- Auch die Geschichte hinter diesem Namen werde ich an anderer Stelle erzählen. ↩︎
- Renata II.
Renata II. ist aus hyper-blauer Agavenseide gefertigt. Ach, und ich beginne über Sinn und Zweck meiner Kreationen nachzudenken. - Doppio I.
Links wie rechts, vorne wie hinten. Doppio I. ist wie geschaffen für einen doppelten Espresso in der italienischen Sonne. - Cuma IV.
Mit Cuma IV. kann man das Feuer in die Welt tragen. Dazu hat dieser Beinahe-Sweater ein Beinahe-Innenfutter. - Renata I.
Früher Wandteppich, heute wiedergeboren, um unbemerkt die linke Hand zur Faust ballen. Das ist der Mantel Renata I. - Das Tagebuch
Niemand schreibt deine Geschichte für dich auf: Deswegen muss man Tagebuch schreiben. In diesem geht es nur ums Nähen. - Cuma III.
Ein bauchfreies Oberteil mit langen Fledermausärmeln. Außen leuchtet Agavenseide, innen streichelt einen die Kimonoseide. Das ist Cuma III.