Meine Singer 5525. Für lange Zeit dachte ich, dass diese Nähmaschine ein Erbstück von meiner Oma wäre, aber anscheinend hat meine Mutter sie einmal gekauft. Damit ist sie zwar „nur“ eine Generation alt, aber immerhin wanderte ihr schwerer Metallkorpus auch schon durch die Hände meiner älteren Schwester. Davon zeugt der Sticker, der noch heute die Vorderseite der Maschine ziert.

Den Sticker müsste man eigentlich eher als ein Klebeband bezeichnen. „Stance“ ist (oder war?) ein Skateshop in Madrid. Ich erinnere mich noch, wie meine große Schwester um die Jahrtausendwende herum ihre halbe Einrichtung mit diesem Band verschönerte. So auch die Nähmaschine. Man muss sagen: Von schlechter Qualität ist dieses Klebeband nicht. Die Ecken und Kanten sind schon seit Jahren unverändert in diesem halb abgelösten Zustand. Und ich sehe keine Veranlassung, diese Erinnerung zu entfernen.

„Die Maschine ist dein Freund und Helfer“, singt die wunderbare Band Das Günther im Song „Die Maschine“.1 Tatsächlich ist die Beziehung nicht immer so freundlich und einfach, was ja nicht unüblich ist mit Freunden und Helfern. Wenn sie nicht so will, wie ich will, ist das manchmal sehr frustrierend. Unsere Beziehung wird aber stetig besser und inniger.
„Die Maschine ist dein Lebensretter“, heißt es ein paar Zeilen weiter. Also noch viel mehr als bloß Freund und Helfer? Wenn es stimmt, dass Menschen ein Ausleben ihrer Kreativität für die Bewahrung geistiger Gesundheit und das Überleben in der heutigen Welt brauchen, dann bitte ich dich: Sei mein Lebensretter, liebe Maschine.
„Die Maschine ist dein zweiter Körper“. So innig können wir also werden. Vielleicht so eng, dass wir uns blind verstehen. So verbunden, dass ich dir auch meine schönsten Stoffe anvertraue. Als wäre deine Nadel nichts anderes als meine Fingerspitze. Wir arbeiten darauf hin. Aber ich bin leider noch viel zu selten in Kontakt mit dir. Täglich müssten wir einander fühlen und etwas erschaffen.
„Die Maschine gibt dir täglich Brot“. Ob das eines Tages der Fall sein wird? Ich will es gar nicht so sehen. Letzten Endes sind es doch mein Kopf, meine Vorstellungskraft und meine Hände, die mich ernähren sollen. Aber du kennst mich und meine Familie schon sehr lange. Daraus sollten wir etwas machen.
- Es geht bei „Die Maschine“ meines Erachtens nicht um eine Nähmaschine. Der Song handelt u.a. von Nerzen, Hedgefonds-Managern und einseitiger Liebe. Hat auch ein schönes Video. ↩︎
